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Aisa plantage landscape

Die Geschichte von Kratom


Erste Überlieferungen


Die Verwendung von Kratom als Genuss- und Heilmittel geht auf eine jahrhundertelange Tradition im südostasiatischen Raum zurück. Daher ist es umso bemerkenswerter, dass schriftliche Überlieferungen erst seit dem 19. Jahrhundert bestehen. Dabei schreiben niederländische Kolonialisten über den Gebrauch von biak durch die Urbevölkerung auf der malaiischen Halbinsel.
sich bei dem durch die Ureinwohner verwendeten biak tatsächlich um Korthals´ Mitragyna speciosa handelte, wurde erst Jahre später hergestellt.

Im Jahre 1939 beschrieb der niederländische Botaniker Pieter Korthals nach Expeditionsreisen in niederländische Kolonialgebiete den immergrünen Baum als Mitragyna speciosa. Der Zusammenhang, dass es sich bei dem durch die Ureinwohner verwendeten biak tatsächlich um Korthals´ Mitragyna speciosa handelte, wurde erst Jahre später hergestellt.

Die Bezeichnung biak kommt aus der malaiischen Sprache, weitere Bezeichnungen für Kratom sind ketum oder kutum. Der hierzulande gebräuchliche Name Kratom ist der thailändische Begriff für die Pflanzendroge, also die getrockneten Blätter des Baumes. Weitere thailändische Bezeichnungen sind ketum, katawan oder tawn.

Traditionelle Verwendung


Traditional Kratom artwork

Traditionell wird aus den Blättern ein Sud gekocht, welcher dann getrunken wird, aber auch das Rauchen oder Kauen der Blätter als traditionelle Konsumform ist in der Literatur beschrieben worden.

Die Urbevölkerung Malaysias verwendete Kratom hauptsächlich als Opiumsubstitut, wenn dieses gerade nicht zur Verfügung stand, es sollte die körperlich schwere Arbeit auf dem Feld unter erschöpfenden Bedingungen wie der prallen Sonne und Hunger erträglicher machen.

Dabei war die Verwendung von Kratom und auch dessen gesellschaftliche Akzeptanz abhängig vom Geschlecht. Während es Männern erlaubt war, Kratom bei der Arbeit zu konsumieren sowie zur Stressbewältigung und Besserung der Stimmung, wurde der Konsum bei Frauen lediglich zu medizinischen Zwecken toleriert.


Die medizinischen Eigenschaften von Kratom beziehen sich in der traditionellen Medizin auf die Behandlung von Fieber, Durchfall, Diabetes und Schmerzen. In Thailand wurde Kratom den Gästen zum Empfang serviert und bei sozialen Zusammenkünften getrunken. Der Empfang von Gästen mit Kratom wurde als Zeichen der Ehrung der Ahnen und der Götter angesehen. Auch der Handel mit Blättern auf thailändischen Märkten war keine Seltenheit.

Beginn der Prohibition


Doch der offene Umgang mit Kratom sollte sich ändern. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts erhob die thailändische Regierung hohe Steuern auf Opium, um an dem steigenden Opiumkonsum in Form von Staatseinnahmen partizipieren zu können. Das Opium wurde daraufhin so teuer, dass es für einen Großteil der Bevölkerung schlichtweg nicht mehr erschwinglich war und nach Alternativen gesucht wurde. Die Folge war, dass immer mehr Menschen auf Kratom als Opiumersatz auswichen und dem Staat die Steuergelder ausblieben.

Infolgedessen wurde Kratom 1943 durch die thailändische Regierung verboten und der Konsum, Anbau oder Verkauf von Kratomprodukten mit harten Strafen geahndet. Zudem wird im Zuge der Prohibition eine Intrige gegen die im Süden Thailands lebenden muslimischen Minderheiten diskutiert, welche Kratom aufgrund des Alkoholverbots in ihrem Glauben vermehrt konsumierten.
Dem Verbot folgte die großflächige Rodung von Kratombäumen, weshalb bis heute der Großteil des hierzulande erhältlichen Kratoms aus Indonesien kommt.

Die gesetzliche Lage in Thailand änderte sich erst wieder 2018, Kratom und Cannabis können seitdem zu medizinischen Zwecken legal erworben und genutzt werden. Der außermedizinische Gebrauch ist jedoch weiterhin illegal und kann mit Geld- oder Haftstrafen verfolgt werden, jedoch beträgt das Strafmaß lange nicht mehr das Ausmaß wie zu Hochzeiten der Prohibition.

In Malaysia, wo Kratomkonsum wie bereits erwähnt auf eine lange Kulturgeschichte zurückgeht, sind Anbau, Verkauf und Konsum weiterhin streng verboten – dennoch in der Bevölkerung weit verbreitet. Der Weg zur straffreien Verwendung von Kratom wird auch hier vermutlich noch Jahre andauern.

Dass bereits vor der Prohibition über die Existenz von Kratom fast nichts schriftlich dokumentiert wurde ist bei einer solchen kulturellen Stellung außergewöhnlich, man könnte sagen mystisch.
Auch heute ist Kratom in den Ländern der traditionellen Herkunft ein Baum, über den niemand spricht, dennoch jeder kennt. Auch bei uns ist Kratom nur einer kleinen interessierten Bevölkerungsgruppe vorbehalten und in der Allgemeinbevölkerung eher unbekannt. Es scheint so, als rühme die Mitragyna speciosa ihr wundersames Dasein in ehrfürchtiger Stille.


Mehr erfahren Sie im 2019 veröffentlichten Buch “Kratom: Ethnobotanik, Anwendung, Kultur” von Dirk Netter, welches Sie auch bei uns im Shop erhalten können.

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